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Ausbruch

Manchmal gibt es im Leben Gefühle, die man am liebsten einfach aus dem Weg schaffen möchte, ganz tief vergraben oder im Meer versenkt. Man hat ein unangenehmes Gefühl, ein Gefühl das einen womöglich belastet, Leiden zufügt und nicht aus dem Kopf verschwinden möchte. Gefühle dieser Art zerreißen mich innerlich und sie setzen sich fest.

Ich rede beziehungsweise schreibe gerne mit anderen Leuten über meine Gefühle. Ich bevorzuge in der Tat das Schrei­ben, da ich immer eine Gewisse Distanz verspüre und mehr Zeit habe, die Gedan­ken in meinem Kopf besser zu formulie­ren. Distanz ist in diesem Fall ein grandioser Vorteil für mich, welcher sich aber direkt im nächsten Augenblick zu dem entwickelt, was ich am Meisten fürchte und was ich zudem auch am Meisten hasse. Die Distanz – ich habe das Gefühl, sie tritt in meinem Leben oft auf. Und ehrlich gesagt, weiß ich nicht, warum ich sie einerseits so liebe und im gleichen Schritt jemand bin, der Distanzen verabscheut.

 Ich sehe Distanz nicht nur als eine Entfernung zwischen etwas, Distanz fängt bei mir schon an, wenn Menschen oder nein, wenn Freunde sich nicht dazu aufraffen, sich zu melden. Man muss sie jedes Mal dazu bringen, regelrecht Erinnern, dass man noch existiert. Aber dieses Erinnern führt mich meistens zu dem Entschluss, dass du selbst den Leuten egal bist. Ignoranz. Ist es wirklich so? Oder möchte man vielleicht einfach nur, dass seine Freunde in diesen Momenten so reagieren, wie jemand selbst?

 Ich liebe es, mich mit den Problemen anderer auseinander zu setzen. Ich liebe es, für meine Freunde, selbst für relativ unbekannte Menschen, da zu sein. Ich kümmere mich gerne um ganz junge Leute, sowie auch um ältere. Zeit mit diesen Leuten oder meinen Freunden verbringen und für sie da zu sein, zuhören, Ratschläge erteilen, Meinungen austauschen. Es gibt mir ein sehr gutes Gefühl, diese Menschen glücklich zu sehen oder immerhin besser gelaunt, als zu Beginn unse­rer Unterhal­tung. Ein Lächeln dieser Leute verschafft mir ein gutes Gefühl. Das Gefühl, wieder etwas erreicht zu haben. Wenn Leute sich mir gegenüber öffnen, ist es auch ein wunderbares Gefühl. Es zeigt mir, dass sie mir vertrauen. Es zeigt mir, dass es gut ist, seine Gefühle im Hintergrund zu verstecken und ande­ren den Vortritt zu gewähren.

Mir wurde schon oft gesagt, dass ich dieses Vertrauen ausstrahle, jedoch vertraue ich auch anderen Leuten sehr schnell, Unbekannten. Man baut zu denjenigen sehr schnell eine ‚Freundschaft‘ auf und muss nach genauso kurzer Zeit feststellen, dass diese ‚Freundschaft‘ wieder nichts Wahres ist. Ein Problem des schnellen Vertrauens.

In der Zeit der Medien, des Internets, der mobilen Kommunikation kann man schnell ‚Freunde‘ dieser Art finden. Sie scheinen perfekt, sie sind genau das, was man erwartet. Man kann sich mit ihnen aus­tauschen, selbst wenn man sie nicht persönlich kennt. Man kann ihnen einige Probleme anvertrauen, da sie Distanz zu einem selbst haben, Distanz zu den Problemen, die ich mit ihnen teile und da man sie jedoch nicht persönlich kennt, denkt man sich, es ist nicht schlimm, wenn diese ‚Freunde‘ dann schnell wieder aus einem Leben verschwinden, weil sie sich nicht melden oder weil sie dich nicht mehr brauchen, da ihre Probleme sich in Luft aufgelöst haben. Aber durch das schnelle Vertrauen, was in der einen Situation vielleicht gut war, ist es in der nächsten Situation für mich ein Dorn im Auge.

Dieses Vertrauen ist für mich Basis einer schnell gewonnenen Sympathie. Und wenn diese Sympathie nach kurzer Zeit wieder verschwindet, ist es traurig. Hat man nicht noch eben einen Leidensgenossen gefunden, der sich jederzeit ge­meldet hat und einem mit seinen Problemen geholfen, sowie man es für diejenige Person getan hat? Merkwürdig, trau­rig, verletzend – für mich. Wieder einmal zu schnell vertraut.

Aber es gab ja noch die räumliche Distanz die man hatte, welche auf Dauer das Vergessen einfacher macht, man muss die Person womöglich nicht erneut sehen. Erinnerungen schwinden.

Wenn diese ‚Freunde‘ sich jedoch weitergehend meldet und den Kontakt nicht vernachlässigen, nicht nur über Tage oder Wochen, sondern über Monate und Jahre, ist die Freundschaft schon elementar. Man ist für die andere Person jederzeit da und kann sich auch auf diese verlassen, trotz der räumli­chen Distanz, ist sie dann nicht perfekt? Man fühlt sich ge­schmeichelt, dass anscheinend immer an einen gedacht wird. Da können sich weitere Gefühle entwickeln.

Auch, wenn die räumliche Distanz nicht gegeben ist, fehlt es mir an Nähe. Können Freunde nicht signalisieren, dass an einen Gedacht wird? Natürlich ist die Zeit knapp, vor allen Dingen, wenn man erwachsen wird – durch den geänderten Alltag, der sich automatisch ergibt. Jede Kleinigkeit ist Gold wert, selbst wenn es nur eine Nachricht am Morgen ist, die mir einen schönen Tag wünscht. Meist ein Geschenk, was mich den ganzen Tag über Glücklich macht. Ein wahres Ge­schenk.

Ein weiteres Gefühl, was sich bei mir leider immer wieder einschleicht und mich auseinander brö­ckeln lässt, ist die Eifersucht. Was macht die andere Person gerade? Warum schreibt sie mir denn jetzt nicht? Warum dauert das alles so lange? Ein unangenehmes Gefühl für beide Seiten. Ich selbst versuche aber alles eher in mich hineinzufressen. Den Anderen nichts spüren zu lassen. Lieber leide ich, als dass einer meiner Freunde wegen mir schlecht gelaunt ist. Ich versuche es jedenfalls.

Ich hätte gerne  eine Situation, in der mir alles offengelegt ist. Vielleicht macht es das einfacher zu realisieren, dass alles in Ordnung ist, zu akzeptieren, dass man sich keine Sorgen machen muss. Aber bevor ich nach so etwas frage, warte ich ab. Eine Zeit, die mich auf die Probe stellt. Gedanken, die mich verfolgen. Was wäre wenn?

Es ist sehr schwierig, diese Eifersucht in den Griff zu kriegen, vor allen Dingen, wenn sie nicht zwin­gend auf ‚Liebe‘ ba­siert, sondern schon bei einer einfachen Freundschaft aufkommt. Ich kann es lei­der nicht. Aber ich denke, ich habe gelernt, sie zu verstecken. Mich schlechter fühlen, aber den Ande­ren machen zu lassen. Und vielleicht erfahre ich da­nach mehr Ehrlichkeit, als eine ständige Fragerei als Ergebnis hätte. Ich hoffe es.

Ich glaube die Eifersucht, die ich an den Tag lege, ist ein Resultat daraus, dass ich mich gerne um meine Freunde küm­mer. Ich möchte für sie da sein, möchte an ihrem Leben teilhabe. Neugierde, eine weitere Eigenschaft in dem Zusam­menhang, die mich auszeichnet. Wobei diese Neugierde wohl eher ein gesundes Interesse an der Person ist.

Nicht alle meine Freunde geben mir alles preis, selbst die Besten nicht. Jeder braucht seine Freiheiten und jeder hat Geheimnisse, selbst wenn er es nicht offen zugibt. Das denke ich. Einige Sachen muss man einfach hinter einem Lächeln verstecken, um in der heutigen Gesellschaft klar zu kommen. Und das ist auch gut so. Es zerreißt mich trotzdem, wenn ich merke, meinen besten Freunden geht es nicht gut und sie sagen mir, dass alles bestens sei. Da spielt das Kümmern eine Rolle, das Interesse, die Eifersucht und die dadurch entstehende Distanz. Vertrauen sie mir nicht? Widerwertige Gedan­kengänge.

Ich bin glücklich, dass ich meine Freunde habe, ich bin sogar glücklich über diejenigen, mit denen ich nur kurze Zeit etwas zu tun habe. Sie bilden ein Ventil, ein Ventil was den angestauten Dampf ans Tageslicht bringt. Ich denke, meine Freunde wissen, dass ich in jeder Situation für sie da bin und ich werde ihre Probleme auch immer über meine stellen. Ich kann meine Eigenschaften nicht ablegen. Die positiven nicht, sowie auch die negativen. Aber diese Eigenschaften machen mich aus und auch wenn sie mich auffressen, werde ich sie beibehalten. Denn wenn meine Freunde in meinem Kopf rumschwirren, dann weiß ich, dass wenigstens ich an sie denke.

27.6.13 20:50

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